Otto Obser - „Ich bin eine schillernde Figur“ - ZukunftKordel.de
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Otto Obser – „Ich bin eine schillernde Figur“

Otto Obser – „Ich bin eine schillernde Figur“

– Das Gespräch mit Otto Obser führte Toni Parth –

Otto ist als drittes Kind des Kordeler Zahnarztes Anton Ober und seiner Frau Katharina 1936
geboren und wie er heute selbst sagt: „in ärmlichen Verhältnissen“ aufgewachsen und groß
geworden.

Vater im Krieg, Mutter mit den Kindern alleine, wurde Otto 1943 mit dem „Heil-Hitler-Gruß“
eingeschult. Ab 1949 besuchte er das Internat in Gerolstein. Von dort wechselte er auf das
FWG in Trier, wo Otto bereits ab der Quinta (Gymnasium 2. Klasse) im Schulorchester seiner
Begeisterung für das Geige spielen und für klassische Musik nachgehen konnte. Die Geige
hat er als Fünfjähriger vom Christkind bekommen. Selbst ist der Mann dachte er, denn Otto
war Autodidakt, das heißt: Otto hat sich das Spielen auf der Geige selbst, sowie mit Hilfe
seines Vaters, beigebracht. Eine Leidenschaft begann, die ihm auch den Weg in den
Musikkreis der MJC ermöglichte. Der musikalische Höhepunkt in dieser Zeit war mit dem
MJC-Orchester in der Dortmunder Westfalenhalle vor hochrangigen Zuhörern zu spielen,
denn einer der Gäste und Zuhörer des Konzertes war „Papa Heuss“. „Daran erinnere ich
mich mein ganzes Leben“ sagt Otto noch heute voller Stolz.

1955 war es so weit. Kündigung oder Abbruch am FWG mit der Begründung „Mein Papa
braucht mich zum betonieren und zum Haus bauen“. Somit war die Schulzeit –zumindest
vorübergehend – beendet und es wurde fortan in Kordel gebaut und gebaut.
Eine Lehrstelle als Goldschmied in Trier, die Gesellenzeit in einer exquisiten Goldwerkstatt in
Pforzheim als Modellgoldschmied waren Otto`s nächste beruflichen Schritte. In der Ferne, in
der Fremde lebend, hat Otto wieder Heimweh bekommen. Er machte sich ständig
Gedanken, wie er wieder in das schöne, romantische Kordel, mit dem besonderen
Elternhaus am Strand der Kyll, zurückkehren könnte. Die Lösung: Das Abitur musste
nachgenmacht werden, um danach Zahnmedizin zu studieren und um danach Papas Praxis
zu übernehmen. Die Zahnarzt-Tradition Obser sollte somit fortgeführt werden. Das heißt:
Umsatteln von Goldschmied zum Zahnarzt.

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„Ich hatte in Erfahrung gebracht, dass man in Saarbrücken am staatlichen Abendgymnasium
für Berufstätige, im zweiten Bildungsweg, das Abitur nachmachen konnte“ sagte Otto „dort
habe ich auch 1960 meine jetzige Frau Gisela kennengelernt“.
Nach dem mit Bravour bestandenem Abi, konnte Otto 1964 sein Studium für Zahnmedizin an
der Uni in Bonn beginnen, das er 1971 mit einem erfolgreichen Examen abschließen konnte.
Schon 1969 machte sich Otto an seine Doktorarbeit, mit der er sich 1972 den Dr. med. dent.
verdiente. Sein Promotionsthema war: stomatologische Untersuchungen fränkischer Schädel
aus dem 5. – 8. Jahrhundert aus dem Trierer und Luxemburger Raum.

„Als Nebeneffekt während meines Studiums in Bonn“ kann man es nicht bezeichnen, sagte
er, aber ich war stolz, dass ich sechs Jahre als Geigenspieler Mitglied im „Collegium
Musicum“ der Uni Bonn sein konnte. Ich denke heute noch an die unvergessenen Reisen mit
dem Orchester z.B. nach Frankreich und als Höhepunkt, in vier Länder Lateinamerikas mit 28
Konzerten. „Ich fühlte mich schon als Profimusiker“ erzählte Otto noch heute voller
Begeisterung.

OttoObser

1972 konnte Otto in Kordel die Praxis vom Vater übernehmen, die er bis 1997 führte und
viele Kordeler Bürger vor Pein und Schmerz befreien konnte.
Jetzt hatte er Zeit. Viel Zeit. Es musste Etwas gemacht werden“, meinte Otto. Zum Beispiel:
Als leidenschaftlicher Musiker und Sammler von Glasfunden auf der Hochmark regte er die
Gründung eines Vereins an, der seinen Sitz, im scheunenähnlichen Anbau eines Wohnhauses
auf der Hochmark werden sollte. So entstand im Jahr 2000 der „Kulturkreis Hochmark e.V.“
als eingetragener Verein im Kordeler Vereinsregister. Teile von einem abgerissenen Altbau
am Kordeler Kreuzfeld haben Wiederverwendung gefunden und wurden zum Teil zum Bau
der „Kulturscheune“ genutzt. Der große Raum mit Empore hat bei vielen Konzerten, der
inzwischen gebildeten Musikgruppe, für manchmal mehr als 100 Besucher und begeisterte
Zuhörer Platz geschaffen.

Mit Hilfe des Trierer Landesmuseums und in Eigenleistung, konnte die Scheune zu einer
ständigen Ausstellung von Funden der historischen Glashütte, die auf der Hochmark stand,
zusammen mit dem Nachbau eines historischen Glasschmelzofens, realisiert werden.
In der Kulturscheune Hochmark, haben während der aktiven Zeit von Otto Obser, jährlich
viele Konzerte, Vorträge, Feste und andere Veranstaltungen, bei meist vollbesetzten
Stuhlreihen, stattgefunden. Das alles bleibt den Besuchern, Zuhörern und Teilnehmern in
bester Erinnerung.

Otto Obser hat für Kordel und für viele Kordeler Großes geleistet. Jetzt verbringt er seine
meiste Zeit damit, sein Leben, seine Erlebnisse, sein Wissen aufzuschreiben, um es der
Nachwelt und allen die es wissen wollen, zu vererben.

Zum Abschluss des Gespräches sagte Otto:
„Das Leben ist wie eine Melodie, sowohl mit harmonischen, als auch mit disharmonischen Klängen“

Vielen Dank Otto!